Es begann mit dem traditionellen Schwalenberger Blaudruck und der Ausstellung „mitBLAU“. Daraus entstand zunächst eine einzelne Spielkarte – und schließlich mein Kartendeck MatriaSKAT.
In diesem Journalbeitrag halte ich den Weg dorthin fest: meine ersten Recherchen, die Zweifel an überlieferten Ordnungen, frühe käferartige Figuren und den Moment, in dem aus „Bube, Dame, König“ schließlich „Biene, Dame, Königin“ wurde.

Der Ausgangspunkt: die Ausstellung „mitBLAU“
Für die Ausstellung „mitBLAU“ begann ich, mich intensiver mit dem traditionellen Schwalenberger Blaudruck zu beschäftigen. Mich interessierten die geschnitzten Model, die regionalen Naturmotive und die besondere Wirkung der weißen Muster auf blauem Grund.
Je mehr ich über das Handwerk las, desto deutlicher sah ich aber auch seine festen Regeln und hierarchischen Strukturen. Der Meistertitel war Männern vorbehalten, Gesellinnen waren nicht vorgesehen. Ich fragte mich deshalb: Wie nah muss ich an einer Tradition bleiben, wenn ich mich künstlerisch mit ihr auseinandersetze?
Ich wollte die alten Muster nicht einfach wiederholen. Ich wollte sie drehen, spiegeln, verschieben und mit meiner Gegenwart verbinden.
Die erste Spielkarte
Die Idee einer Spielkarte war schnell geboren. Auf ihr ließ sich die vertraute Ordnung unmittelbar auf den Kopf stellen. Die Figuren in traditionellen Trachten verwandelte ich in käferartige Gestalten. Die rot-weiße Umrandung erinnerte an das Flatterband, das während der Corona-Zeit allgegenwärtig war: ausgrenzend, eingrenzend, grell.
Diese erste Karte war noch kühl, widerspenstig und etwas düster. Aber sie setzte etwas in Bewegung.

Aber muss ein Werk zum Blaudruck unbedingt blau sein?
Je länger ich mit den blau-weißen Figuren arbeitete, desto kälter erschien mir ihre Ausstrahlung. Für ein spielbares Skatdeck brauchte ich ohnehin mehrere Farben, damit die Karten im Spiel gut unterscheidbar bleiben. Also suchte ich weiter – nach mehr Farbe, mehr Leichtigkeit und anderen Botschaftern.
Ach Leute. Es ist Zeit für Neues.
Beim Blick auf die vertrauten Kartenspiele stieß ich gleich auf die nächste überholte Ordnung: Bube, Dame, König. Der König führt den Hofstaat an – immer wieder, in fast jedem Kartendeck.
Ich wollte diese Rangordnung verändern. Doch wären ausgerechnet Borkenkäfer die richtigen Botschafter für eine positive neue Perspektive? Ich habe persönlich nichts gegen Borkenkäfer. Aber für mein Kartendeck suchte ich nach einer anderen Stimmung.
Die gute Botschaft: Biene, Dame, Königin
Viel optimistischer erschienen mir die Bienen. So nahm die Entwicklung ihren Lauf. Nach und nach entstand ein ganzer Bienenstaat: Die Bienenkönigin führt das Kartenvolk an. Die Honigbiene ist die Dame, die Drohne der Bube und die Honigwabe das Ass.
Die Zeichnungen entstanden am Computer. Das vereinfachte die Arbeit keineswegs. Im Gegenteil: Im kleinsten Detail öffneten sich unendlich viele Möglichkeiten. Jede Farbe und jeder Kartenwert erhielt ein eigenes Motiv aus dem traditionellen Schwalenberger Blaudruck. Alte Muster im neuen Gewand – das war mein Ziel.

Aus einer Karte wird ein ganzes Deck
Aus dem ersten Entwurf entwickelte sich ein vollständiges Skatdeck mit 32 Karten. Es lässt sich nach den gewohnten Regeln spielen, zeigt aber eine andere Ordnung und eine neue Bildwelt.
MatriaSKAT wurde Teil der Ausstellung „mitBLAU“ im Jahr 2024. Die Edition ist auf 100 Exemplare limitiert. Im Ausstellungskatalog ist dokumentiert, wie sich die Auseinandersetzung mit dem Blaudruck zu einem eigenständigen Kartendeck weiterentwickelte.


Mehr über MatriaSKAT
Dieser Journalbeitrag bewahrt den persönlichen Entstehungsweg. Auf der Projektseite ordne ich MatriaSKAT als künstlerische Auseinandersetzung mit Tradition, Natur und neuen Regeln ein. Die Editionsseite zeigt das Kartendeck mit seinen Karten, Mustern und der gestalteten Box.
MatriaSKAT als Edition ansehen · Zur Ausstellung „mitBLAU“ · Zur Produktseite

Schreiben Sie Ihren Kommentar