Hier beantworte ich Fragen zu meinen Miniaturcollagen und Assemblagen aus Fundstücken, Pflanzenresten und Naturmaterialien: zur Entstehung, zur Haltbarkeit, zur Rahmung und dazu, wie einzelne Arbeiten im Werkraum angesehen und erworben werden können.
Miniaturcollagen aus Fundstücken, Pflanzenresten und Naturmaterialien
1. „So etwas habe ich noch nie gesehen“ — wozu gehört das eigentlich, was Du machst?
Das ist die Reaktion, die ich am häufigsten höre. Und ich gebe zu: mir fällt es selbst nicht leicht, meine Arbeit in eine einzige Schublade zu stecken.
Was ich tue, berührt mehrere Traditionen, ohne einer davon ganz anzugehören. Die Anordnung meiner Insekten bzw. Insektenskulturen in Reihen, angelehnt an wissenschaftliche Sammlungen, verdankt sich der langen Geschichte der Naturkunde-Illustration — der Tradition von Haeckel, Maria Sibylla Merian oder Alexander von Humboldt — Naturforschern, die Pflanzen, Insekten und Vögel nicht nur sammelten und ordneten, sondern in ihnen den Zusammenhang aller Dinge suchten. Die Verbindung von Naturalia und Alltagsresten, von Samenkapseln und verlorenen kleinen Gegenständen, erinnert an die Idee der alten Kunst- und Wunderkammern: Orte, an denen Natur, Kunst und Kurioses friedlich nebeneinander existierten, um geheimnisvolle Geschichten zu erzählen - Insekten in der Kunst sowie Vögel in der Kunst haben ihren festen Platz in vielen Traditionen.
Was mich von all diesen Vorbildern unterscheidet: Meine Arbeiten sind keine Dokumentation. Meine Materialien werden nicht gesucht — sie werden von mir gefunden, wo ich gehe und stehe. Was übrig bleibt, darf bei mir weiterleben. Meine Vogelskulpturen picken, hüpfen, kommunizieren. Aus den kleinsten Überbleibseln entstehen Miniaturwelten — in einem Maßstab, der das genaue Hinschauen verlangt.
Ob als Vogelszene oder als Insektenkunst im Sammlungsformat — jede Arbeit ist ein Unikat.
Anders als in einer klassischen Assemblage ordne ich Fundstücke nicht nur neu an, sondern ergänze sie mit Kritzeleien und Strichzeichnungen. Anders als in der klassischen Collage dient mir Papier nicht als wichtigstes Material, sondern hauptsächlich als Träger oder Hintergrund. Ich arbeite auf Papier mit unterschiedlichsten Materialien. Der Begriff der Mixed Media Collage oder die Einordnung als Objektkunst trifft es vielleicht am ehesten. Ich selbst mag den Begriff der Miniaturcollage. Denn jedes Element in meinen Arbeiten ist ein skulpturale Miniatur. Mit den Neuanordnungen der kleinen Vogelfiguren und Insektenformen entwickle ich neue Zusammenhänge - in den Miniaturcollagen auf Papier.
Wir könnten auch einfach von Kunst aus Fundstücken sprechen — aus botanischen Fragmenten und Alltagsspuren, zwischen Naturkabinett und poetischer Erzählung. Aber vielleicht beschreibt die Reaktion der Menschen, die sie sehen, am besten, was sie sind: etwas Eigenwilliges, noch nicht Dagewesenes.
2. Wie ist Deine Idee entstanden, diese eigenwilligen Arbeiten zu erschaffen?
Eine knappe Antwort fällt mir schwer. Wie viel Zeit haben Sie?
Ich versuche es trotzdem – zunächst mit einer möglichst kurzen Variante:
Eine meiner liebsten Inspirationsquellen ist es, durch die Welt zu gehen, als hätte ich sie noch nie gesehen. Ich gehe vor die Haustür und nehme mir vor, jedes Urteil, jedes Wissen über meine Umwelt abzulegen. Das ist nicht einfach – aber der Versuch lohnt sich.
Probieren Sie es selbst einmal aus, wenn Sie auf der Suche nach neuen Ideen sind. Vielleicht stellen Sie fest: Schon beim Wetter wird es schwierig, nicht zu bewerten. Noch spannender wird es, wenn ich so tue, als hätte ich noch niemals einen Baum gesehen. Oder ein Haus. Oder ein Blatt.
Berichten Sie mir gern, wie es Ihnen damit geht – ich selbst halte das kaum zehn Minuten durch. Aber allein dieser kurze Versuch öffnet überraschend viel Raum für neue Perspektiven.
Die ausführlichere Antwort:
Jede Neuentwicklung braucht eine Lernphase und viele Experimente – ganz gleich, ob es um Kunst, Technik oder Wissenschaft geht. Über lange Zeit habe ich mich mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken und Materialien auseinandergesetzt. Doch um etwas wirklich Eigenes zu entwickeln, musste ich mich irgendwann von Vorbildern und erlernten Paradigmen lösen.
Ich bin das Risiko eingegangen, unbekannte Wege zu betreten und mich möglichst frei von festen Vorstellungen zu machen.
Als ich in den 1990er-Jahren noch auf der Suche nach meinem eigenen künstlerischen Standpunkt war, begegnete mir häufig die Behauptung, die Entwicklung der Kunst sei im Grunde linear verlaufen. Gemeint war: Alles sei bereits erforscht, dargestellt, gesagt, – insbesondere der Realismus. Anfang der 2000er galt er vielerorts als vollständig „abgearbeitet“.
Insbesondere der menschliche Akt wurde als erschöpfend behandelt betrachtet. Und tatsächlich: Die schiere Menge weiblicher Akte in der Kunstgeschichte ist kaum zu überblicken. Warum also noch weitere hinzufügen? (die Frage klingt für meine Arbeiten vermutlich nicht zentral, war für mich aber der Antrieb, meine eigenen Wege zu gehen)
Für weitere, neue weibliche Akte gibt es gute Gründe. Einer davon: Die meisten dieser Akte wurden von Männern geschaffen – und zeigen Frauen als passive Objekte.
Es ist leider immer noch in vielen Ausstellungen sichtbar und greifbar:
Ich besuchte das Christian-Daniel-Rauch-Museum in Bad Arolsen. Die beeindruckendne, klassizistischen Skulpturen stehen dort in einem lichtdurchfluteten Raum wie in einem offenen Depot. Weiße Figuren, heroische Gesten, edle Haltungen – der Saal ist erfüllt von göttergleicher Erhabenheit. Ich fühlte mich umgeben von imponierenden Persönlichkeiten mit perfekten und kraftvollen Körpern.
(Nur Goethe soll angeblich mit seinem Denkmal nicht ganz glücklich gewesen zu sein. Unter dem marmornen Hausmantel wölbt sich sein Bauch eher… menschlich. Aber vielleicht war das ja schon radikaler Realismus.)
Zwischen all diesen Heroen gab es jedoch eine Figur in diesem Saal, die deutlich heraussticht:
das Modell für das Grabmal der Königin Luise von Preußen.
Sie war die einzige Liegende im Raum. Ruhe, Schönheit und vollkommene Reinheit strahlte sie aus. Die machtvollen Posen bleiben den vielen männlichen Heldenfiguren vorbehalten – in der Kunst wie im wirklichen Leben. Frauen sind unterrepräsentiert. Und wenn sie erscheinen, dann häufig in passiven Rollen.
Lange Zeit habe auch ich deshalb geglaubt, meine eigene Sichtweise sei es nicht wert, dargestellt und gezeigt zu werden.
Heute weiß ich: Gerade diese Zweifel haben mir geholfen, meine eigene Bildsprache zu finden – und neue, eigene Ausdrucksformen zu entwickeln.

3. Welche Lebensdauer hat deine Objektkunst aus Fundstücken?
Meine frühesten Arbeiten mit pflanzlichen Fundstücken sind inzwischen fast zwanzig Jahre alt. In dieser Zeit habe ich eine interessante Beobachtung gemacht: Manche der Farbstifte, die ich anfangs verwendet habe, sind deutlich stärker verblasst als einige der pflanzlichen Materialien selbst. Pflanzenfarben sind erstaunlich robust – wer hätte das gedacht.
Seit vielen Jahren arbeite ich deshalb ausschließlich mit Feinzeichnern, die echte Pigmentfarben enthalten. Die Fundstücke betupfe ich stellenweise mit hochwertigen, lichtechten Aquarellfarben, um gezielte Akzente zu setzen. Ganz nebenbei verleihen diese Farben manchen winzigen, fragilen Elementen auch etwas zusätzliche Stabilität – eine Art sanfte Unterstützung, ohne ihnen die Eigenständigkeit zu nehmen.
Der größte Anteil der verwendeten Materialien kommt jedoch ganz ohne Behandlung aus.
Wie die meisten künstlerischen Arbeiten sollten auch meine Exponate nicht lange der direkten Sonne ausgesetzt sein. Sollte dennoch einmal eine Reparatur am Werk oder am Rahmen nötig werden, lässt sich das in der Regel unkompliziert beheben. Am besten – und am liebsten – übernehme ich das selbst.
4. Die Rahmungen
…benötigen grundsätzlich eine Abstandsleiste, damit die dreidimensionale Miniaturcollage keinen direkten Kontakt mit dem Glas hat und nicht beschädigt oder langfristig verformt wird. Aus diesem Grund sind viele handelsübliche Standardrahmen nicht geeignet.
Eine fachgerechte Rahmung erfordert Erfahrung im Umgang mit empfindlichen, meist dreidimensionalen Materialien. Diese Erfahrung habe ich mir über viele Jahre – auch durch eigene Fehlversuche – erarbeitet.
Um die langfristige Stabilität und Haltbarkeit der Arbeiten zu gewährleisten, verlässt meine Originalkunst mein Atelier daher ausschließlich fertig gerahmt.
5. Der Vorteil von reflexarmer Verglasung
Um auch die feinsten Details meiner Mixed Media Collagen wirklich sichtbar zu machen, reicht eine Standardverglasung nicht aus. Spiegelungen und Lichtreflexe überlagern schnell das, worum es eigentlich geht.
Den Unterschied zwischen normalem Glas und reflexarmem Museumsglas kann ich allerdings besser zeigen als erklären. Im folgenden Bild ist zunächst eine Assemblage hinter Standardglas.

Das nächste Bild zeigt dasselbe Original hinter dem reflexarmen Glas, das ich für meine Arbeiten verwende. Gleichzeitig bietet dieses Glas einen UV-Schutz für mehr Lichtbeständigkeit.
Für meine Collagen aus den kleinsten Belanglosigkeiten gilt: Für die Reste nur das Beste

6. Werden die Fundstücke konserviert?
Bei besonders fragilen Fundstücken lasse ich den Kleber leicht einziehen – das wirkt wie eine schonende Konservierung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die staubdichte Rahmung: Die fertigen Exponate sind hinter dem Glas vollständig versiegelt.
7. Wird ein spezieller Kleber verwendet?
Verwendet wird ein handelsüblicher, säurefreier Papierkleber. Wenn Ihnen auffällt, dass in meinen Arbeiten kaum Spuren davon zu sehen sind, liegt das an der sorgfältigen Arbeitsweise – Präzision ist hier einfach Übungssache.

8. Wie lange dauert es, bis so ein Werk vollendet ist?
Das ist auch keine einfache Frage. Oftmals arbeite ich an mehreren, voneinander unabhängigen Szenen – selten entsteht ein Werk in einem einzigen Arbeitsgang. Sobald ich ein passendes Fundstück in meinem Fundus entdecke, ergänze ich damit gerade entstehende Arbeiten. Manche Elemente schiebe ich mehrfach hin und her, bis ich von ihrer Wirkung überzeugt bin und sie endgültig fixiere.
Das Sammeln der Fundstücke selbst braucht natürlich auch seine Zeit. Allerdings gehe ich nie gezielt auf die Suche nach neuen Materialien. Vielmehr entdecke ich ständig nebenbei kleine Dinge, die ich aufhebe – in der Jackentasche, im Portemonnaie oder in irgendeinem kleinen Behältnis. Größere Stücke als etwa einen Quadratzentimeter interessieren mich dabei selten.
Ganz kurz gesagt: Für ein Werk benötige ich je nach Komplexität und Fundstücken schätzungsweise zwischen drei Stunden und drei Jahren – je nachdem, wohin mich meine Entdeckungen und Fundstücke führen.
9. Wo kann ich die Unikate kaufen?
Eine handverlesene Auswahl verfügbarer Objektkunst, Mixed Media Collagen und Assemblagen finden Sie im Werkraum. Dort können Sie die einzelnen Originale mit weiteren Ansichten, Texten und Details ansehen.
Bei weiteren Fragen schreiben Sie mir gern eine E-Mail an galerie@hohlweg.de.
10. Gestaltest Du die Collagen aus Fundstücken auch auf Wunsch?
Auf Anfrage prüfe ich gerne, ob sich Ihr Wunsch mit meinem Fundus und meinen eigenen Ideen verbinden lässt. Besonders freue ich mich über ein kleines, für Sie bedeutsames Objekt – optimalerweise nicht größer als 1 x 1 cm –, aus dem ein Unikat entstehen kann, das es kein zweites Mal gibt.
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Wer auf der Suche nach Wanddekoration, einem Poster oder einem schnellen Kunstkauf ist, wird hier vermutlich etwas anderes finden als erwartet. Diese Seiten verstehen sich nicht als klassischer Shop, sondern als Werkraum – als Ort, an dem Geschichten entstehen und sichtbar werden. Jede Collage ist Originalkunst, ein einmaliges Fundstück mit eigener Biografie. Es gibt keine Serienproduktion und keine beliebig reproduzierbaren Motive. Jede Miiaturcollage existiert nur ein einziges Mal und trägt die Spuren seines Entstehungsprozesses in sich. Mit meiner Miniaturkunst möchte ich mehr als Wände schmücken - ich möchte dazu einladen, genauer hinzusehen, Fragen zu stellen und eine Geschichte zu entdecken, die weit über dekorative Zwecke hinausreicht.
