Künstlerische Position Magdalena Hohlweg

Porträt der Künstlerin Magdalena Hohlweg, Abendstimmung im Kurpark Bad Pyrmont

[UN]scheinbare Welten

Das Übersehene als künstlerisches Prinzip prägt meine Arbeiten. Botanische Fragmente, organische Fundstücke und ephemere Materialien werden aus dem Zusammenhang ihrer alltäglichen Bedeutungslosigkeit herausgelöst und in neue visuelle Gefüge überführt. Samenkapseln, Pflanzenreste, Insektenflügel und unscheinbare Alltagsobjekte — Materialien, denen kaum ästhetischer Eigenwert zugeschrieben wird — verdichten sich in ihren Miniaturassemblagen zu Bildräumen zwischen Natur, Erinnerung und Imagination.

Die Werkserie [UN]scheinbare Welten bewegt sich dabei bewusst im Spannungsfeld von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Vertrautheit und Irritation. Bereits der Titel trägt diese Ambivalenz in sich: Das Bracket um „UN“ verschiebt die Wahrnehmung zwischen scheinbarer Beiläufigkeit und verborgener Bedeutung. Was zunächst wie zarte Naturbeobachtung erscheint, kippt bei näherem Hinsehen ins Fremde, Morbide oder Spielerische. Genau dieses Kippen zwischen Erkennen und Verfremden bildet das eigentliche Sujet der Arbeiten.

Methodisch bewege ich mich zwischen Collage und Assemblage. Materialien werden nicht nur arrangiert, sondern in physische und konzeptuelle Beziehungen gesetzt. Der Maßstab ist dabei zentral: Das Kleinformat verlangt Konzentration, Nähe und verlangsamtes Sehen. Das genaue Hinschauen wird zur Voraussetzung der Werkerschließung.

In dieser Haltung knüpfen meine Arbeiten an die Tradition der Wunderkammer an — jedoch nicht als naturkundliches Ordnungssystem, sondern als poetische Gegen-Taxonomie, in der Zufall und Komposition gleichwertig nebeneinanderstehen. Natur erscheint hier weder als romantisches Ideal noch als bloßes Abbild, sondern als Fragment, Spur und Erinnerungsträger.

Detailansicht einer Miniatur - Assemblage von Magdalena Hohlweg. Vogelkunst aus Hagebutte, mit Paketschnur, Originalgröße ca 1 x 2 cm
Vertrocknete Hagebutte goes birdy

Gleichzeitig steht die Arbeit im Dialog mit einer zeitgenössischen Form von Romantik — nicht als nostalgische Rückkehr zur Idylle, sondern als Suche nach Verbindung in einer zunehmend rationalisierten und beschleunigten Gegenwart. Die Aufmerksamkeit gilt dem Übersehenen, Fragilen und scheinbar Wertlosen. Dort entstehen Räume für Projektion, Erinnerung und neue Bedeutungen. Die bewusste Hinwendung zu kleinen Dingen ist dabei auch ein Gegenentwurf zur permanenten Reizüberflutung unserer Zeit. Während digitale Bilderströme nach Geschwindigkeit verlangen, bestehen die [UN]scheinbaren Welten auf Langsamkeit, Nähe und genauer Betrachtung. Erkenntnis entsteht nicht durch Größe oder Lautstärke, sondern durch Aufmerksamkeit.

Alle Werke entstehen als Unikate in meinem Atelier in Bad Pyrmont und werden individuell in hochwertigen Objektrahmen mit reflexarmem Museumsglas präsentiert. Ihre intime Dimension fordert die unmittelbare Begegnung — Nähe wird zur Voraussetzung von Wahrnehmung und Erkenntnis.