Es begann mit dem traditionellen Schwalenberger Blaudruck und einer Frage: Wie nah muss ich an einer überlieferten Ordnung bleiben?
Für die Ausstellung „mitBLAU“ beschäftigte ich mich mit regionalen Blaudruckmotiven, alten Modeln und einem Handwerk, das Schönheit, Wissen und Geschichte bewahrt. Je länger ich hinsah, desto stärker reizte es mich allerdings, die vertrauten Muster aus ihrer Ordnung zu lösen.
Aus einer ersten Spielkarte wurde schließlich ein ganzes Kartendeck: MatriaSKAT. Es geht um Traditionen im Wandel, um Natur, um Bienen und um die Möglichkeit, auch vertraute Regeln neu zu betrachten.

Der Ausgangspunkt: Blaudruck
Beim Blaudruck wird eine farbabweisende Paste, der sogenannte „Papp“, mit Druckstöcken – den Modeln – auf den Stoff aufgetragen. Im Indigobad bleiben diese Stellen ungefärbt. So entstehen die charakteristischen weißen Muster auf blauem Grund.
Mich interessierten besonders die Pflanzenformen, Tiere und kleinen Szenen der überlieferten Motive. Sie erzählen von einer Region und von einem Handwerk, das über Generationen weitergegeben wurde. Gleichzeitig sah ich die festen Vorgaben, die geschlossenen Strukturen und die männlich geprägte Welt der Meisterbetriebe.
Wie nah muss ich denn dranbleiben an der Tradition?
Nicht jede Tradition muss unverändert fortgeschrieben werden. Für meine künstlerische Auseinandersetzung wollte ich die alten Muster deshalb nicht nur bewahren, sondern bewegen: drehen, spiegeln, neu zusammensetzen und in einen anderen Zusammenhang bringen.
Die erste Spielkarte entsteht
Die Idee einer Spielkarte war schnell geboren. So konnte ich sehr direkt etwas auf den Kopf stellen. Die traditionellen Trachten passte ich dem Erscheinungsbild von Borkenkäfern an. Die beiden käferartigen Figuren begegnen der Tradition – und auf einmal ist nichts mehr ganz so, wie es vorher war.
Die rot-weiße Einrahmung erinnert an das Flatterband, das während der Corona-Zeit allgegenwärtig war: ausgrenzend, eingrenzend, grell. Diese erste Karte war noch kühl und widerspenstig. Aber sie setzte etwas in Bewegung.

Aber muss ein Werk zum Blaudruck unbedingt blau sein?
Je intensiver ich mich mit den dunklen Figuren beschäftigte, desto mehr trübten sie meine Laune. Ich wollte die Idee der Spielkarten weiterverfolgen – aber der blau-weiße Kontrast erschien mir irgendwann zu kalt. Für ein spielbares Skatdeck brauchte ich ohnehin mehrere Farben. Also: mehr Farbe, mehr Leichtigkeit und eine neue Besetzung.

Die gute Botschaft: Biene, Dame, Königin
Beim Blick auf die vertrauten Kartenspiele stieß ich gleich auf die nächste überholte Ordnung: Bube, Dame, König. Ach Leute. Es ist Zeit für Neues.
Viel optimistischer als meine ersten Krabbelkäfer erschienen mir die Bienen. So entstand nach und nach ein ganzer Bienenstaat. Die Bienenkönigin führt das Kartenvolk an. Die Honigbiene ist die Dame, die Drohne der Bube und die Honigwabe das Ass.
Jede Farbe und jeder Kartenwert trägt ein eigenes Motiv aus dem traditionellen Schwalenberger Blaudruck. Die Zeichnungen entstanden am Computer. Einfacher wurde die Arbeit dadurch nicht – im Gegenteil. Im kleinsten Detail öffneten sich unendlich viele Möglichkeiten, und die habe ich reichlich genutzt.
Alte Muster im neuen Gewand – spielbar nach den vertrauten Regeln und doch mit einer anderen Ordnung.
Vom Ausstellungsbeitrag zum Kartendeck
MatriaSKAT war 2024 Teil der Ausstellung „mitBLAU“ in Schwalenberg. Aus meiner Beschäftigung mit dem Blaudruck war inzwischen eine vollständig spielbare Künstleredition geworden. Das Deck umfasst 32 Karten und ist auf 100 Exemplare limitiert.
Im Begleitkatalog zur Ausstellung ist die Entstehung dokumentiert. Die Edition selbst lässt sich auf einer eigenen Seite mit ihren Karten, Mustern und der gestalteten Box näher entdecken.

MatriaSKAT weiter entdecken
Auf der Editionsseite zeige ich das Kartendeck als gestaltetes Objekt: die Kartenfiguren, die Rückseiten, die Box und die besonderen Details der limitierten Auflage.
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