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August - alles im Wandel

Detailansicht der Assemblage „Auf immer und ewig“ von Magdalena Hohlweg mit dominant blauem Schmetterling vor Schmetterlingen in Braun-, Ocker- und Beigetönen


Zwischen Sommerlicht und Umzugskartons

Im August denke ich in der Regel schon wieder darüber nach, dass dieser Sommer bald zu Ende geht. Die Abende werden kürzer und kündigen bereits die nächste Jahreszeit an.

In diesem Jahr nehme ich diesen Wechsel besonders deutlich wahr. Denn ich stehe vor großen Veränderungen: Im Oktober werde ich umziehen.

Mit Sack und Pack werden mein Mann und ich Bad Pyrmont verlassen. Unser neuer Wohnort wird Schwelm sein.

Schwelm bei Wuppertal. Kennen Sie Schwelm?

Ich war inzwischen immerhin dreimal dort, insbesondere für die Wohnungsbesichtigung. Ich möchte also nicht behaupten, dass ich Schwelm kenne. Nur so viel ist gewiss: Es wird ein Schritt ins Unbekannte – mit sehr viel Spannung, Vorfreude und einer noch unklaren Anzahl an Umzugskartons.

Bad Pyrmont ist in den vergangenen acht Jahren zu unserem Zuhause geworden. Ich habe mich hier eingelebt, Menschen kennengelernt, Freundschaften geschlossen und das Weserbergland mit seinen Wäldern, Hügeln und weiten Blicken lieb gewonnen. Vieles davon werde ich vermissen.

Beim bevorstehenden Abschied hilft mir die Erinnerung an frühere Wohnortwechsel. Mein Leben hat mich von Hamm über Essen und Dorsten nach Hamburg geführt und schließlich vor acht Jahren nach Bad Pyrmont. Jeder dieser Orte war irgendwann einmal neu für mich. Und jedes Mal hat sich aus dem Unbekannten mit der Zeit etwas Vertrautes entwickelt.

Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben gern in ihrer Region, ihrer Stadt oder sogar in ihrem Dorf bleiben. Ich gehöre zu den Menschen, die immer wieder weiterziehen. Im Rückblick waren all diese Ortswechsel immer mehr als ein Wechsel der Adresse: Mit jedem neuen Ort kamen Menschen, Erfahrungen und Entwicklungen in mein Leben, die ohne diesen Schritt nicht entstanden wären.

Für uns bedeutet der jetzt anstehende Umzug vor allem eines: Nach Jahrzehnten werden wir wieder in der Nähe unserer Kinder und unserer Familie wohnen. Darauf freue ich mich am meisten.

Der Rest wird sich fügen.

Bisher war es bei jedem unserer Umzüge eine besondere Herausforderung, vorher nicht zu wissen, wie das neue Leben aussehen wird. Es gibt Pläne, natürlich, und gleichzeitig bleibt vieles offen, was noch nicht festgelegt ist. Ich empfinde das nicht nur als Unsicherheit. Darin liegt auch eine besondere Freiheit – und manchmal ein kleines bisschen kreatives Chaos.

Der August steht für mich in diesem Jahr deshalb ganz im Zeichen des Wandels. Ich wähle für diese Zeit die Farbe Blau. Blau hat etwas Bewegliches, Weites, Emotionales. Es erinnert mich an Wasser, das seinen Weg findet, indem es fließt und sich immer wieder an seine Umgebung anpasst.

Vieles wird anders.

Alles wird gut.

Zwischen Tassen, Tellern und existenziellen Fragen

Wie ich allerdings mein Atelier mit allem Zubehör in den nächsten Wochen möglichst unbeschadet und halbwegs vernünftig verpackt bekomme, weiß ich noch nicht so genau. Bei Tassen, Tellern und Büchern kann ich mir den Umzug noch einigermaßen vorstellen. Bei meinen Werken, Rahmen, Glas, Werkzeugen und all den kleinen Fundstücken, die sich über die Jahre angesammelt haben, wird die Sache schon deutlich herausfordernder.

Ich sehe mich jetzt schon Tasse für Tasse in Zeitungspapier einwickeln. Das wird vermutlich der entspanntere Teil des Unternehmens.

Meine Werke sind da eine andere Geschichte. Für die benötige ich etwas mehr als zerknülltes Zeitungspapier und Umzugskartons.

Vielleicht passen die bisherigen Regale nicht in das neue Atelier. Vielleicht brauche ich andere. Auch das gehört zum Umzug: Dinge, die jahrelang selbstverständlich waren, werden plötzlich wieder in Frage gestellt.

Und so ist ein Abschied wohl immer mit mehreren Gefühlen gleichzeitig verbunden: Aufregung und Arbeit, Sorgen und Wehmut, Vorfreude und Neugier. Ich versuche, meine Aufmerksamkeit vor allem auf die Vorfreude zu richten. Schließlich gibt es einen guten Grund für diesen Schritt – und notfalls auch genug Klebeband.

Vom Verpuppen und anderen Zwischenzuständen

Detailansicht der Assemblage „Auf immer und ewig“ von Magdalena Hohlweg mit Schmetterlingen in Braun-, Ocker- und Beigetönen innerhalb der Sonderrahmung
Detail der Assemblage „Auf immer und ewig“ mit Schmetterlingen in Blau-, Braun-, Ocker- und Beigetönen

In meiner künstlerischen Arbeit begleitet mich der Wandel ohnehin schon lange. Die Metamorphose eines Schmetterlings einmal ganz aus der Nähe zu erleben, ist ein faszinierendes Naturwunder. Ich durfte diesen erstaunlichen Wandel selbst beobachten – und habe meine Erlebnisse im Blogbeitrag „Raupe und Schmetterling“ festgehalten.

Aus Fundstücken entwickele ich neue Zusammenhänge, aus etwas Übersehenem entsteht etwas, das vorher nicht da war. Nichts bleibt ganz das, was es einmal war.

Was könnte deshalb besser zu diesem August passen als die Metamorphose des Schmetterlings?

Sie ist geheimnisvoll, bizarr, wechselhaft und überraschend. Sie braucht Zeit, ist aufwendig und am Ende überwältigend schön. Ein Wesen löst sich gewissermaßen auf, um in völlig anderer Gestalt wieder aufzutauchen.

Ein besonderes Werk in besonderen Zeiten

Gesamtansicht der Assemblage „Auf immer und ewig“ von Magdalena Hohlweg mit zahlreichen Schmetterlingen in Sonderrahmung hinter Museumsglas
„Auf immer und ewig“ – Assemblage von Magdalena Hohlweg mit zahlreichen Schmetterlingen in farblich abgestimmter Sonderrahmung

Meine Collage „Auf immer und ewig“ ist in diesem Zusammenhang eine ganz besondere Arbeit für mich.

Natürlich besteht sie aus toten Schmetterlingen. Diese hauchzarten Wesen bezaubern weit über ihr Ableben hinaus mit ihrer unvergänglichen Schönheit.

Die Schmetterlinge, die ich für diese Collage verwendet habe? Die stammen aus einer ziemlich bizarren Sammlung, die mir vor langer Zeit in Hamburg überreicht wurde.

Als ich die löchrige, etwas mottenzerfressene Papiertüte öffnete, entpuppte sie sich tatsächlich als eine Art Wundertüte: Über mehrere Jahre waren darin tote Schmetterlinge aus einem dortigen Schmetterlingshaus gesammelt worden.

Alte, fleckige weiße Papiertragetasche, nach vorn umgeknickt, vor schwarzem Hintergrund
„Wundertüte“ – alte Papiertragetasche mit gesammelten Überbleibseln aus einem Schmetterlingshaus

In der Tüte fand ich sie durcheinander, übereinander und in sehr unterschiedlichem Erhaltungszustand.

Für mich steckt diese lose Sammlung bis heute voller Inspiration. Inzwischen ist der Staub aus der Tüte Geschichte, die Falter sind gesichtet und sicher verwahrt – bereit für ihre nächsten Verwandlungen.

Ich erinnere mich noch heute an die Worte der damaligen Leiterin des Schmetterlingshauses, als sie mir die Tüte überreichte: „Sie machen bestimmt was Schönes draus.“

Ihre Worte haben mir damals etwas mitgegeben, das über die Jahre geblieben ist: die Verantwortung, aus diesen zerbrechlichen Überresten etwas zu schaffen, das ihrer Schönheit gerecht wird.

Seitdem sind viele Jahre vergangen. Die Schmetterlinge – und ich – haben gewartet, bis ihre Zeit gekommen war. Nun glaube ich, ihnen einen würdigen Rahmen gegeben zu haben – einen Ort, an dem ihre Schönheit noch einmal sichtbar werden darf, ohne sie zu Trophäen einer Sammelleidenschaft zu machen.

Ihre Flügel erzählen nicht von Besitz, sondern von Vergänglichkeit. Sie bewahren etwas von dem Leben, das ihnen vorausging, und bekommen in dieser Arbeit noch einmal eine neue Präsenz.

Jahrelang habe ich die Schmetterlinge aufbewahrt, bevor nun dieses Werk daraus entstanden ist. Es ist etwas anders als meine sonstigen Arbeiten und gerade deshalb für mich von besonderer Bedeutung.

In dieser Arbeit geht es mir nicht um die Bestimmung einzelner Arten. Sicher ist nur, dass diese Schmetterlinge aus verschiedenen Regionen der Welt stammen und ihr natürliches Lebensende erreicht haben. Manche Körper waren noch gut erhalten, von anderen waren nur die zarten Flügel geblieben.

Manche zeigen ihre Unterseite, andere ihre strahlende Oberfläche. Die Farben und Muster sind nahezu unverändert von erstaunlicher Intensität. Solange die empfindlichen Flügel nicht Wind und Wetter ausgesetzt sind, sondern wie hier hinter schützendem Glas verwahrt werden, bleibt diese Schönheit erhalten.

Die Arbeit wird in einer aufwendig gefertigten Sonderrahmung präsentiert, die deutlich über die Anmutung eines klassischen Schmetterlingskastens hinausgeht. Dunkles, orange abgesetztes Holz bildet einen kraftvollen Rahmen für die zarten Fragmente. Reflexarmes Glas ermöglicht eine klare, nahezu ungestörte Betrachtung und verleiht den Farben und Strukturen eine außergewöhnliche Brillanz und Leuchtkraft.

Leben und Tod liegen in dieser Arbeit dicht beieinander.

Und meine eigene Verwandlung?

Die scheint mir noch etwas ungewiss.

Zunächst steht mir das Packen bevor. Das wird dann wohl eher dem Verpuppen gleichen. Ich werde mich mit meinen Sachen zurückziehen und Tasse für Tasse, Buch für Buch und Schachtel für Schachtel in Zeitungspapier wickeln. Die fleißigen Raupen könnten mir dabei durchaus als Vorbild dienen: Sie spulen ihr Programm zwischen Fressen, Häuten und Weiterwachsen ab und beschweren sich vermutlich nicht über fehlende Beschriftungen auf den Kartons.

Wobei ich meine: So ein Falter muss sich wenigstens keine Gedanken darüber machen, wie er ein Atelier mit Rahmen und Museumsglas durch einen Umzug bekommt.

Da im Oktober allerdings bereits der Umzugswagen vor der Tür stehen wird, kann ich mir nicht mehr allzu viel Zeit für Planungen und Zweifel gönnen. Es gibt Dinge, die sich erst beim Tun klären.

Auch meine Collage „Auf immer und ewig“ erzählt davon. Die Schmetterlinge haben ihre Verwandlung längst hinter sich. Was bleibt, sind ihre Flügel, ihre Farben, ihre erstaunliche Schönheit – und die Geschichte eines Lebens, das sich bereits wieder in etwas anderes verwandelt hat. In meiner Arbeit bekommen sie einen neuen Zusammenhang und damit gewissermaßen ein zweites Leben.

In meinen Augen ist das eine der schönsten Möglichkeiten, mit Wandel umzugehen: nicht alles festhalten zu wollen, sondern aufmerksam zu schauen, was bleiben darf, was sich verändert und was daraus neu entstehen kann.

So begleitet mich die Collage „Auf immer und ewig“ in diesem August auf ganz eigene Weise. Sie verbindet Leben und Tod, Erinnerung und Neubeginn, Vergänglichkeit und Schönheit. Und sie erinnert mich daran, dass Verwandlung nicht immer spektakulär daherkommt. Manchmal beginnt sie ganz unscheinbar – mit einer gepackten Kiste, einem neuen Schlüssel oder einem Möbelstück, das seinen Platz wechselt.

In den kommenden Wochen werde ich deshalb nicht nur meine Umzugskartons füllen, sondern dabei auch noch einmal genauer auf meine Arbeiten schauen. Viele meiner Collagen erzählen auf ihre ganz eigene Weise von Veränderung, Vergänglichkeit und dem überraschenden Eigenleben der Dinge. Fundstücke wechseln ihren Zusammenhang, scheinbar Unbedeutendes bekommt eine neue Rolle und aus dem, was übrig geblieben ist, entsteht etwas unerwartetes neues.

Das ist meine ganz persönliche Form der Metamorphose: Ich sammle, ordne, verbinde und lasse mich überraschen, was daraus entsteht.

Und während draußen der Sommer langsam seine Farbe verändert, beginnt für mich bereits ein neuer Abschnitt. Der Umzugswagen wird kommen, das Atelier wird sich verändern, und bald schon werde ich in Schwelm wieder einen Karton öffnen. Was darin zum Vorschein kommt, weiß ich heute noch nicht.

Aber eines weiß ich schon jetzt:

Es wird Zeit für neue Werke

Wann der nächste Text entsteht, bleibt dagegen noch in den Sternen geschrieben – oder zwischen Umzugskartons, Klebeband und sehr viel Zeitungspapier. Ich werde mich erst einmal verpuppen müssen. Bis dahin wünsche ich allen wunderschöne Sommerabende ohne überhöhte Temperaturen.


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Meine Gedanken finden sich in meinen Arbeiten wieder.

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