März – Die Kunst des Hinschauens
Zwischen Schwarz und Weiß
Wenn ich künstlerisch arbeite, merke ich schnell, wie viele Blickwinkel sich gleichzeitig öffnen. Es gibt nicht die eine Wahrheit, sondern viele mögliche Annäherungen. Je nachdem, wie ich hinschaue und was ich zulasse, verschiebt sich das Bild. Manches wird deutlicher, anderes tritt zurück, und oft entsteht genau dort etwas Neues, wo ich es nicht erwartet hätte.
Der März fühlt sich für mich wie ein solcher Zwischenraum an. Übergänge geben selten klare Antworten. Sie verlangen eher, dass ich aushalte, nicht sofort zu wissen, was richtig ist. Und gerade darin entfaltet sich etwas, das ich nicht planen kann. Manchmal liegen die spannendsten Entdeckungen direkt vor mir – ausgerechnet dann, wenn ich das Gefühl habe, im Dunkeln zu tappen.
Die Farbe der Erde
Dieser Monat trägt für mich die Farbe der Erde. Braun – der Boden, der längst begonnen hat, Vergangenes zu verarbeiten und in etwas Neues zu verwandeln. Nichts daran wirkt spektakulär. Und doch geschieht genau dort das Entscheidende.
Dieses erdige Braun verbindet. Es trägt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, und hält Raum für das, was noch kommen will. Vielleicht ist es genau diese Qualität, die ich im März schätze: einen Boden, der nichts fordert und doch alles ermöglicht.
Auf Entdeckungsreise mit Materialien
Wenn ich mit Materialien arbeite, begegnen mir immer wieder kleine Eigenheiten. Papier verhält sich anders als erwartet, Farbe verläuft, Holz widersetzt sich, Fundstücke bringen ihre eigenen Geschichten mit. Es ist weniger ein Kontrollieren als ein Beobachten.
Ideen tauchen dabei oft zaghaft auf. Manchmal rascheln sie wie etwas Unbestimmtes im Unterholz, und ich weiß zunächst nicht, ob ich ihnen folgen soll. Erst im Weitergehen zeigt sich, ob daraus etwas entsteht. Dieses Zögern gehört dazu. Ebenso wie die Bereitschaft, sich darauf einzulassen.
Das offene Blatt
Das weiße Blatt wirkt auf mich im März wie ein Acker, der noch nicht viel preisgibt. Ein wenig vorbereitet vielleicht, aber vor allem offen. Es verlangt nichts Großes. Nur Aufmerksamkeit.
Wenn ich beginne, betrete ich mein eigenes Gelände. Es gibt Windungen, kleine Umwege, Sackgassen und manchmal unerwartete Lichtungen. Nicht alles ergibt sofort Sinn. Und doch entsteht Schritt für Schritt eine Orientierung.
Ein wenig Humor hilft dabei, mich nicht zu ernst zu nehmen. Und ein bisschen Mut, weiterzugehen, auch wenn ich nicht genau weiß, wohin.
Der eigene Standpunkt
Im Laufe der Zeit komme ich immer wieder an denselben Punkt zurück: Alles beginnt mit meiner eigenen Perspektive. Bevor etwas wachsen kann, lohnt es sich, den eigenen Standpunkt zu betrachten.
Welche Überzeugungen trage ich mit mir? Welche habe ich übernommen, ohne sie zu hinterfragen? Und welche Blickwinkel habe ich bisher einfach übersehen?
Ich merke, wie sich etwas ordnet, sobald ich mir diese Fragen erlaube. Nicht als schnelle Antwort, sondern eher als langsames Klären.
Boden bereiten
Die Natur macht es vor. Erst wenn der Boden vorbereitet ist, kann etwas keimen. Auch in meiner Arbeit zeigt sich, dass Entwicklung Zeit braucht. Sie lässt sich nicht beschleunigen, sondern eher begleiten.
Vielleicht ist der März genau dafür da. Für Fragen, die offen bleiben dürfen. Für Perspektiven, die sich verschieben. Für ein erneutes Ausrichten, ohne schon wissen zu müssen, wohin es führt.
Mut zum eigenen Blick
Ich beginne zu verstehen, dass mein eigener Blick kein Hindernis ist, sondern ein Ausgangspunkt. Je mehr ich ihm vertraue, desto freier wird meine Arbeit.
Es geht weniger darum, etwas richtig zu machen, als darum, aufmerksam zu bleiben. Natur und Kunst verlangen keine Perfektion. Eher Geduld, Neugier und die Bereitschaft, auch das Unfertige stehen zu lassen.
Oft liegen die interessantesten Ansätze direkt vor mir. Ich übersehe sie nur, wenn ich zu schnell nach einem Ergebnis suche.
Die Spiegelung
Mit der Zeit wird mir deutlicher, dass jedes Werk etwas zurückspiegelt. Nicht im Sinne einer Erklärung, sondern eher als Andeutung. Etwas zeigt sich, ohne vollständig greifbar zu sein.
Gerade darin liegt für mich die Möglichkeit, weiterzugehen. Orientierung entsteht nicht plötzlich, sondern wächst. Sie wird immer eindeutig, aber verlässlicher.
Vielleicht beginnt Vielfalt genau hier. In dem Moment, in dem ich mir erlaube, meiner eigenen Spur zu folgen, ohne sie sofort einordnen zu müssen. Und gleichzeitig Raum zu lassen für andere Wege, die neben meinem entstehen.
In Bewegung bleiben
Kunst stellt für mich keinen Anspruch im lauten Sinn. Und doch merke ich, dass sie etwas von mir will. Nicht als Forderung, sondern als Bewegung.
Sie lädt mich ein, mich zu verändern, während ich arbeite. Mich nicht festzuhalten an dem, was ich schon kenne. Sondern weiterzugehen, auch wenn der Weg nicht klar ist.
So wird jede Zeit zu einer eigenen künstlerischen Phase.
Und der März zu einem weiteren Anfang.
Hier findest Du den Einstieg in die Monatsnotizen
Und hier geht es zu den einzelnen Impulsen, die jeder Monat mit sich bringt:
Kunst ist Vielfalt. Es ist Zeit für Kunst
Mit den besten Wünschen
Magdalena Hohlweg

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