Prost Neujahr! Und jetzt?
Stilles Leuchten: der Schneemann und ich. Wir geben unser Bestes.
Der Januar hat ja keinen guten Ruf - zu wenig Licht, zu viel Stillstand. Es ist wie das große Gähnen nach der Party.
Die Musik ist aus. Die Gläser sind gespült.
Irgendwo zwischen Müdigkeit und Erwartung fragen wir uns:
Und jetzt?
Dabei trägt jeder Jahresanfang doch so ein großes Versprechen in sich.
Alles scheint möglich. Alles sollte sich ändern. Gleichzeitig wirkt die Welt so fern. Die stillen Tage werfen uns auf uns selbst zurück. Wir sind hin- und hergerissen zwischen dem, was wir uns vornehmen, und dem, was der Alltag schon wieder einfordert.
Vielleicht geht es Dir so wie mir: Im Januar fühlen wir uns leicht getrennt von der Welt und manchmal auch von uns selbst. Dabei passiert im Januar erstaunlich viel. Nur eben nicht laut. Die Welt zieht sich im Januar zurück. Aber sie schweigt nicht.
Jetzt hilft nur eins: zuhören
Denn so können wir es viel leichter erkennen: alles ist belebt und wir sind mit allem verbunden. Insbesondere in der künstlerischen Arbeit sind alle Elemente miteinander in Kontakt.

In der Kunst wirkt nichts isoliert. Alles tritt in Dialog. Manchmal harmonisch, manchmal mit Reibung - Wie im echten Leben.
Da ist ein Stock mehr als totes Holz.
Ein Stein kein bloßes Gewicht.
Ein Haus kein nichtssagendes Gebilde.
Und ein winziges Pflanzenrestchen zeigt seine quirlige Gestalt.
Die Dinge treten in Dialog, reagieren aufeinander. Dabei muss es in unseren Werken nicht unbedingt darum gehen, die Dinge festzulegen, sondern sie in Bewegung zu bringen.
Manche Motive sind dabei kooperativ, andere eher… eigenwillig.

- und auch der Peperonipieper geht auf Wanderschaft
Dieser schräge Vogel ist aus einer meiner Collagen davongeflattert. Wohin mag er wohl wollen? Vielleicht ist er ein Schlafwandler – es träumt der Wald einen tiefen Traum - und der kleine Peperonipieper sieht auch ein wenig verschlafen aus. Ich setze ihn wieder an seinen Platz: einst eine winzige Peperonischote, hockt er nun, präzise ausbalanciert, auf einem Druckknopf in einem meiner Werke.

auf einem Druckknopf gefunden
Wie gesagt: die Kunst hilft mir gerade jetzt ganz besonders, mich neu auszurichten.
Sie weckt meine Sinne und erlaubt mir, Neues, Unbekanntes und Altbekanntes
aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten –
und zwar ohne sofort zu entscheiden, was das jetzt bedeutet.
Eine große Erleichterung, finde ich. Freie und kreative Gedanken sind gerade jetzt besonders belebend! Wahrscheinlich passt zum Januar genau deshalb die Farbe Orange besonders gut.
Farbe bekennen: Orange. Oder: Die innere Wärmflasche
Der Januar braucht Wärme. Und wir erst recht – ich jedenfalls!
Die Farbe des Monats Januar ist also Orange. Wie die Glut. Wie die Sonne, die im winterlichen Morgennebel aufleuchtet. Wie Rost – das alte Eisen, das langsam seinen Widerstand aufgibt. Oder wie der schlaue Luchs: orange leuchtend wie eine kleine Fackel im weißen Schnee. Er weiß, wohin er geht – und erinnert uns daran, unserem eigenen Weg zu trauen.
Orange bringt Wärme ins Geschehen, und wir geben ein Stück unserer Distanz auf. Vielleicht fühlen wir uns nicht länger als Außenstehende, sondern als Teil eines lebendigen Gefüges.
Orange ist eine freundliche Erinnerung: Alles um dich herum ist belebt.
Und manches davon könnte dich sogar unterstützen – wenn du es lässt.
Orange sagt nicht: Reiß dich zusammen.
Es sagt: Du bist verbunden. Auch heute. Das ist doch schon mal was.
Nimm dir fünf kreative Minuten! Jetzt!
Nimm dir heute fünf Minuten Zeit für einen Stein. Leg ihn in deine Hand, schließ die Augen und hör zu. ielleicht antwortet er nicht gleich mit Worten. Eher mit einem Gedanken, einem Bild oder einem Gefühl.
Steine sind großartige Geschichtenerzähler. Und uns erstaunlich nah.
Ich liebe die Vorstellung, dass die Mineralien im Stein – Calcium, Eisen, Selen, Schwefel, Kupfer, Zink – als Spurenelemente unser eigenes Körpergerüst bilden. Wir sind also verwandt. Ganz eindeutig. Steine waren nur sehr viel früher da. Sie sind unsere Vorfahren, sozusagen.
Ohne weißen Bart – deshalb schwer zu erkennen.
Unsere Verbindung zu Steinen und allem um uns herum ist keine spinnerte, esoterische Idee.
Sie ist physikalisch. Chemisch. Real.
Mir hilft diese Vorstellung, mich selbst wieder verbunden zu wissen.
Alles wirkt zusammen (auch an trüben Tagen)
Heute mal keine großen Vorsätze. Heute mal keine Optimierungsprogramme. Nur kleine, machbare Bewegungen.
- Behandle ein Fundstück, als hätte es eine Geschichte für dich
- Hebe etwas auf, das du normalerweise liegen lassen würdest.
- Lege Orange neben Grau – auf dem Tisch, im Kopf oder im Bild – und schau, was sich verändert.
- Höre zu, bevor du eine Meinung hast.
Vielleicht zeigt sich ein neuer Weg. Vielleicht nur ein neuer Gedanke.
Beides ist vollkommen ausreichend für einen Januartag.
Unsere Kreativität ist ein Spiel mit allen Elementen. Vielleicht kreierst Du ein neues Landschaftsbild, in dem die Erde hält, das Wasser verbindet, die Luft Bewegung hineinbringt - Und das Feuer der Szene die Wärme einhaucht.

Meine künstlerische Arbeit sagt mir ganz deutlich: Wir stehen nicht außerhalb der Welt,
wir sind Teil von ihr – auch dann, wenn ich im Januar mit dicken Socken in der Küche stehe und überlege, was ich an diesem grauen Tag eigentlich gerade tun wollte.
Und ja: Manchmal finden wir Antworten. Viel öfter aber entdecken wir neue Fragen.
Fragen, die den Blick weiten und ungewohnte Zusammenhänge sichtbar machen.
Nimm Dir Zeit für Kunst!
Mit den besten Wünschen
Magdalena Hohlweg
PS: Jeder Monat bringt seine ganz eigenen Inspirationen!
Der Oktober ist pink!
Die Kunst ist tot im November
Der Dezember hat einen besonderen Zauber. Auch für die Kunst!

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