Eine Serie über Vogelfedern und ihre Geschichten
Viele meiner Arbeiten zeigen vogelartige Wesen – Geschöpfe, die es so in der Wirklichkeit nicht gibt und die doch irgendwo zwischen Erinnerung, Beobachtung und Fantasie ihren Platz verlangen.

Und dennoch beschleicht mich immer wieder der Gedanke, dass ich von der tatsächlichen Vielfalt der Vogelarten unseres Planeten noch weit entfernt bin. Die Natur selbst bleibt die unerreichte Meisterin der Variation. Meine Arbeit ist also – wie der Zug der Vögel – noch lange nicht abgeschlossen, sondern eher ein fortwährendes Unterwegssein.
So entstehen nun weitere Vogelwesen, jedes eingebettet in ein winziges Habitat, das sich ebenfalls in beinahe unerschöpflichen Formen entfaltet.
Um ihren natürlichen Vorbildern und die beeindruckende Vogelwelt zu feiern, habe ich diesen neuen Arbeiten eine eigene Serie gewidmet:
In jedem Werk dieser Reihe wird eine Vogelfeder zu finden sein.
Der vorläufige Titel dieser Werkreihe lautet: Federzeichen.
Von Zeichen, Federn und Verbindungen
Der Titel ist nah dran, fast so, als hätte er sich selbst gefunden. Vielleicht bleibt es also bei den Federzeichen.
Denn sind es nicht genau solche Zeichen, die uns begleiten?
Ich erinnere mich gern an den unverwechselbaren Ruf der Kibitze, der mir lange als verlässlicher Vorbote des Frühlings galt – ein lebendiger Kalender, bis die Kibitze verschwanden und bevor wir begannen, unsere Jahreszeiten aus Apps abzulesen.
Oder an den rauen, durchdringenden Ruf ziehender Wildgänse, die hoch über uns fliegen und dabei eine Sehnsucht wecken, die sich kaum greifen lässt – irgendwo zwischen Fernweh und einem unbestimmbaren inneren Ziehen.
Jede Vogelart scheint ihre ganz eigene Art zu besitzen, uns an etwas zu erinnern, das wir immer wieder neu entdecken können: die feinen, kaum greifbaren Geheimnisse des Lebens.
Ein Auftakt mit Eule – und weiteren Zutaten
Das erste Werk der Reihe Federzeichen widme ich der Eule.

Ihre Magie erklären zu wollen, wäre vermutlich so sinnvoll, wie sprichwörtlich Eulen nach Athen zu tragen – denn sie entzieht sich ohnehin jeder Erklärung. Wir alle spüren sie auf unsere ganz eigene Weise.
In Märchen und Mythen wird der Eule seit jeher ein tiefes, beinahe unheimliches Wissen zugeschrieben. Sie sieht, wo wir im Dunkeln tappen, und ihr nächtliches „Whouuhuu“ trägt nicht selten einen Hauch von Gänsehaut mit sich.
Meine Eulen sind jedoch weniger ehrfurchtgebietend geraten. Und dennoch – als wüssten sie etwas – oder auch nicht.

Passend dazu verbirgt sich im Werk eine winzige Spiegelkachel.
Wer genau hinsieht, entdeckt sie ganz links im Bild. (Das ganze Werk ist weiter unten zu finden).
Auch eine Eulenfeder ist selbstverständlich Teil der Szene, wenn auch in denkbar bescheidener Größe. Als Randnotiz sitzt sie oben rechts – zurückhaltend und doch von zentraler Bedeutung (im Bild weiter unten ist sie zu sehen)
Und die Eulen selbst? Nun, für sie lohnt es sich, ein wenig weiter auszuholen.
Ein „Who is Who“ der Materialien
Die Liste der verwendeten Materialien liest sich wie ein sehr persönliches „Who is Who“ meiner Kunstwelt – eine Versammlung von Dingen, die für sich genommen unscheinbar wirken mögen, gemeinsam jedoch ein Eigenleben entwickeln.
Die Reihenfolge ist dabei weniger Hierarchie als vielmehr das gegebene Durcheinander in meinem Fundus:
Schmetterlingseier, Weidenkätzchen, Flügeldecken von Kartoffelkäfern, eine Vogelbeere, Fragmente des Samenstands der Kolkwitzie, Paketschnur, Fühler eines Mondfalters, Samen der Stockrose, Insektenflügel, das Deckelchen einer Mohnsamenkapsel sowie die feinen Tragblätter von Birkensamen. Übrigens: Die Schmetterlingseier dienen hier der kleineren Eule, also der mit dem Vogelbeerenkörper als Augen. „Augen wie Spiegeleier“ trifft es also – gewissermaßen.
Die Schmetterlingseier und Fühler von Mondfaltern stammen übrigens aus meiner Zucht. Hier geht`s zu meinen Erlebnissen mit der Metamorphose
Ich meine, das müsste alles gewesen sein.
Oder habe ich etwas vergessen?
Ja – der Titel dieses ersten Werkes darf natürlich nicht unerwähnt bleiben:
Eulenspiegel

Und kaum hat man sich noch im Schatten der Eule eingerichtet, flattert ein Wellensittich ins Bild – ein Übergang, der sich jeder feierlichen Dramaturgie entzieht.
Denn auch unter den Vogelarten sträube ich mich dagegen, Bedeutung und Wichtigkeit in eine feste Ordnung zu bringen.
Das flatterhafte Wesen der liebenswerten Sittiche erfüllt abertausende menschliche Haushalte mit kleinen Glücksmomenten – ein leises Zwitschern hier, ein schiefer Blick dort, und schon wirkt der Alltag ein wenig leichter.
Genau das ist die Magie der Sittiche: Sie öffnen die Herzen.

Ob die Sittiche selbst dabei immer derselben Meinung sind, sei an dieser Stelle einmal freundlich offengelassen.
Um diese kleinen Hausgenossen jedoch gebührend zu ehren, habe ich auch ihnen ein eigenes Werk gewidmet. Möge es daran erinnern, dass es sich bei ihnen keineswegs um dekoratives Beiwerk handelt, sondern um komplexe, anspruchsvolle Wesen mit erstaunlich großen Bedürfnissen – ganz unabhängig von ihren vergleichsweise bescheidenen Anschaffungskosten.
Auch in diesem Werk finden sich wieder kleine Federn. Da sie aus einer Großvoliere stammen, könnten sie sowohl vom Wellensittich als auch vom Nymphensittich sein.
Doch spielt das am Ende überhaupt eine Rolle?
Ein Quell der Freude sind sie allemal.
Und so trägt dieses Werk aus der Reihe Federzeichen seinen Namen mit Selbstverständlichkeit:
Quellensittiche

Auch die Erscheinungsformen der Sittiche sind vielfältig. So finden sich hier verschiedene Arten zusammen, die – zumindest auf diesen wenigen Quadratzentimetern – in vollkommener Eintracht ein geradezu vorbildliches Habitat bewohnen.

Ein gefiederter Gärtner mit Gedächtnislücken
Kommen wir nun zurück zu einer weiteren heimischen Vogelart, um die sich so manche Geschichte rankt: dem Eichelhäher.
Seinen Namen verdankt er bekanntermaßen seiner Vorliebe für Eicheln, die er im Herbst mit bewundernswerter Hingabe sammelt, versteckt – und in nicht unerheblichem Maße wieder vergisst.
Ein Umstand, der ihn ganz nebenbei zu einem der fleißigsten Gärtner unserer Wälder macht. Was der Eichelhäher verliert, gewinnt der Wald.
Zwischen Ruf und Rückzug
Mit seinem durchdringenden Ruf kündigt er unser Kommen oft schon an, lange bevor wir ihn überhaupt zu Gesicht bekommen.
Denn so mitteilsam er akustisch ist, so zurückhaltend zeigt er sich im direkten Kontakt. Abstand ist seine bevorzugte Form der Höflichkeit.
Und doch verrät er sich gelegentlich selbst – durch ein Aufblitzen im Geäst:
Diese beinahe unwirklich leuchtenden, türkisblauen Federpartien, die wirken, als hätte jemand ein Stück Himmel zwischen die Zweige gehängt.
Eine solche Feder zu finden, gleicht einem seltenen Glücksfall.
Eine Rarität, die auch diesem Werk ihren ganz eigenen Glanz verleiht.

Eine Szene mit Spannung
Da der Eichelhäher ein Bewohner unserer Wiesen und Wälder ist, bleibt er in diesem Werk nicht allein.
Zwei Igel haben sich eingefunden – und wirken, als wären sie gerade mitten in eine Entdeckung vertieft.
Mit sichtbarer Ernsthaftigkeit scheinen sie der beeindruckenden Spur einer Katze zu folgen.
Ob sie ihr tatsächlich begegnen möchten, bleibt dabei offen.
Ihre Erscheinung verdanken die beiden übrigens den Samenkapseln des Pfaffenhütchens – eine Besetzung, die sich erstaunlich gut in ihre leicht stachelige Persönlichkeit fügt –finde ich.
Ein Ensemble aus Fundstücken
Auch hier versammelt sich wieder eine eigensinnige Gesellschaft an Materialien – jedes mit seiner eigenen Geschichte, jedes mit einem wichtigen Beitrag zum großen Ganzen:
Ein Flatterulmensamen, Berberitzenfrüchte, Insektenflügel, eine Fuchsienblüte, eine Blattknospe, Paketschnur, ein Zahnrädchen, ein Spiegelfragment sowie Fineliner und Aquarell.
Wie so oft entsteht aus dieser Mischung etwas, das sich nur schwer in seine Einzelteile zurückübersetzen lässt – die Materialien haben sich auf ihre gemeinsame Erzählung geeinigt.
Der Titel: Zwischen Himmel und Erde
Denn das Türkis leuchtet wie ein Stück Himmel, das sich im Geäst um die Igel herum niedergelassen hat – mein bisheriger Favorit, auch wenn er sich noch nicht ganz festhalten lassen will.
Diese ersten Werke meiner neuen Serie der Federzeichen warten noch auf ihre Rahmungen – sie wollen sorgfältig gewählt und mit Bedacht vollendet werden.
Bereits fertig gerahmte Arbeiten aus meinem Atelier finden sich hier Handverlesen
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