[UN]scheinbare Welten

[UN]scheinbare Welten in Bad Arolsen
08.03.2025 – 18.05.2025
Einzelausstellung

Das Museum im Residenzschloss Bad Arolsen bietet einen überaus festlichen Rahmen für die kleinsten Fragmente unseres alltäglichen Lebens. Passt wirklich prima! Wer sagt denn, dass nur das fürstlliche Vermächtnis es wert ist, gehütet, bestaunt und bewundert zu werden. Meine (veganen) Insektenwelten und die winzigen Vogelparadiese überzeugen mit ihrer absoluten Lebendigkeit und Diversität. Das sind die aktuellen Aussichten, die wir für eine lebenswerte Zukunft brauchen: Die Hoffnung steckt im kleinsten Detail! Hab ich doch gesagt!

Eingang zum Schlossmuseum Arolsen zur Ausstellung [UN]scheinbare Welten, Magdalena Hohlweg 2025
Museum im Schloss Arolsen

Unzählige Fundstücke finden sich in den Museum Bad Arolsen derzeit zusammen zu neuen Habitaten. Die Insektenkunde treibt hier sozusagen neue Blüten. Die Dinge sind dabei nicht immer das, was sie auf den ersten Blick scheinen. Wer allerdings meint, bei der Entstehung dieses Exponates hätte eine Schreibmaschine mitgewirkt, der hat richtig getippt. Diese Arbeit ist eine von vielen weiteren, die nun in Bad Arolsen residieren. Passt, wackelt und hat Luft!

Collage aus Pflanzenresten und Fundstücken in Anordnung wie Insektensammlung
Insektensammlung ohne Insekten

“Die Collagen von Magdalena Hohlweg erheben die Zusammenhanglosigkeit zur Kunstform.

Durch die höchst individuelle und intuitive Auswahl alltäglicher Fundstücke eröffnen sich in den Werken neue Perspektiven und etablieren ihre eigene [UN]ordnung.

Jedes noch so banale Element ist für die Gesamtaussage der bizarren Werke von essenzieller Wichtigkeit und stellt unsere Wahrnehmung auf die Probe.

Je nach Platzierung in den Arbeiten ergeben sich aus den banalsten Fragmenten entweder vogelartige Wesen oder aber Insekten, die oftmals gar nicht so einfach von den realen Vorbildern aus der Natur zu unterscheiden sind.

Insekt oder nicht Insekt? Das ist hier die Frage!”

Das Residenzschloss Arolsen atmet Geschichte: Jahrhunderte alte knarrende Treppenstufen, lange Galerien, vertäfelte Wände, historische Räume, die ganz sicher schon vieles erlebt haben.

Nun haben sich in den hochherrschaftlichen Sälen fragile Vogelgestalten und bizarre Insekten angesiedelt.

Blick in die Ausstellung [UN]scheinbare Welten im Schlossmuseum Arolsen
Ausstellungsraum untere Etage

Die begleitenden Texttafeln beleuchten nicht nur die einzelnen Aspekte meiner Arbeiten rund um Wahrnehmung, Wandel und Werte. Die Vergrößerungen machen es auch leicht, sich auf die Miniaturwerke einfacher einzulassen. Dank aufwendiger Technik, bei der mehrere Makro Aufnahmen übereinander gelegt werden, verlieren die starken Fotos auf den Tafeln kein bißchen an Brillanz. Und Sie können sich überzeugen, ob sie richtig gesehen haben. Anders als gewohnt: Bitte gerne richtig nahe herantreten an die Originale!

Auf den ersten Blick erinnern einige der Werke an wissenschaftliche Sammlungen, denn:

Sammeln, vermessen, ordnen, präparieren, zur Schau stellen – das waren bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die zentralen Tätigkeiten naturwissenschaftlicher Forschung. Umweltbedingungen und Verhaltensweisen spielten dabei lange Zeit keinerlei Rolle. Wesentliche Umweltbedingungen und arttypisches Verhalten wurden gänzlich vernachlässigt.

In meinen Arbeiten erhebe ich die Prinzipien der Zusammenhanglosigkeit und Willkür zur Kunstform. Die höchst individuelle und zufällige Zusammenstellung alltäglicher Fundstücke eröffnet neue Perspektiven und etabliert eine radikal neue Ordnung. Jedes noch so kleine Detail wird hier als unverzichtbar deklariert.

Insekt oder Nicht-Insekt? Das ist bei einigen Exponaten die Frage.

Wie nehmen wir unsere Welt wahr?

Wie kann ein Objekt in unserem Bewusstsein eine Präsenz erlangen und eine tiefere Wirkung entfalten?

Am Ende ist alles eine Frage der Betrachtung. Der Wert eines jeden Objektes ist eng mit unserer Wahrnehmung verbunden.

Erst durch unsere Aufmerksamkeit erwachen Dinge zum Leben und entfalten ihre Magie.

Besucher der Ausstellung [UN]scheinbare Welten im Schlossmuseum Arolsen
Mein Arbeitsplatz mit Material und Arbeitsutensilien in der Ausstellung

Auch mein Arbeitsplatz ist in der Ausstellung zu finden – Hier ist die Vitrine mit Arbeitsutensilien aus meinem Atelier umringt von Teilnehmenden einer meiner Führungen. Ich habe einige Materialien mitgebracht, um die Entstehung der Arbeiten zeigen zu können.

Führung durch die Ausstellung von Magdalena Hohlweg [UN]scheinbare Welten im Arolser Schloss
Führung im Schloss durch die [UN]scheinbaren Welten

Die Führungen machen einfach Spaß. Das war wieder eine kurzweilige Stunde mit allen zusammen. Danke an alle Besucherinnen und Besucher!

Vor der Hängung hatte ich übrigens leise Zweifel, wie sich meine kleinteiligen Arbeiten in den barocken Sälen und Galerien behaupten würden. Wie unzählige Farbsprenkel könnten sie auf den riesigen Wänden verloren gehen, oder?

Im Gegenteil! Die etwa 40 Exponate leuchten hier im herrlichen Kontrast, der neue Perspektiven freilegt.

Ich könnte mir keinen würdigeren Rahmen vorstellen - Glanz und Gloria für die kleinsten Bedeutungslosigkeiten unserer alltäglichen Welt. Hier strahlen sie mit ihrem ganzen - manchmal etwas morbiden - Charme.

Angefangen bei den kleinen Szenen auf 5 x 5 cm bis hin zu den großformatigen Arbeiten, die auf den ersten Blick wie alte wissenschaftliche Sammlungen anmuten mögen - jedes Exponat hat seinen Platz gefunden und lädt zum genauen Hinsehen ein.

Die Ausstellung wurde auch bereits von etlichen Schulklassen aus dem Umkreis von Bad Arolsen besucht. Es freut mich riesig, wenn insbesondere die Kinder Anregungen mitnehmen können, auch in den kleinsten Überbleibseln etwa spannendes zu entdecken.

Es war dann auch wieder ein riesiges Vergnügen für mich, gemeinsam mit begeisterten Drittklässlern weitere phantastische Wesen zu kreieren. Bisher habe ich es in allen Gruppen erlebt: Wirklich jedes Kind findet seinen ganz eigenen kleinen Schatz in den zunächst nichts sagenden Teilchen, die ich ihnen für ihre Arbeit anbiete.

Nach der Besichtigung der Ausstellung haben sie alle fleißig und sehr vertieft mitgearbeitet. Jedes Kind hat am Ende sein eigenes Werk stolz mit nach Hause getragen.

Ergebnisse des Kunstprojekt mit Kindern in der Ausstellung von Magdalena Hohlweg - Kinder basteln Insekten aus Fundstücken
Eine spannende Insektengalerie

Glücklicherweise lag der Aufbau der Ausstellung nicht allein in meinen Händen – bei einem Projekt dieser Größe wäre ich sonst vermutlich noch heute am Schrauben und Sortieren. Die Vorbereitungen gemeinsam mit der Museumsleitung und dem Team haben dafür umso mehr Spaß gemacht. Ein herzliches Dankeschön auch an alle weiteren Helferinnen und Helfer – ohne euch hätte es definitiv nicht so rund funktioniert. Ganz besonders danke ich der Museumsleiterin des Schlossmuseums Bad Pyrmont, Kunsthistorikerin Melanie Mehring für ihre freundliche und kompetente Unterstützung bei der Vernissage.

Das Kabinett zur Metamorphose hat übrigens besonders nach helfenden Händen verlangt. Der raumgreifende Kokon bleibt von außen geheimnisvoll – einfach eintreten und den Wandel geschehen lassen. Wer weiß, vielleicht kommt man ja ein bisschen verwandelt wieder heraus…

Ich möchte nicht alles vorwegnehmen. Denn auch in der Natur ist Tarnung ein wichtiges Prinzip. Und nicht jeder Schritt im Laufe einer Metamorphose ist “hübsch”

Der begehbare Kokon - Rauminstallation von Magdalena Hohlweg in der Ausstellung [UN]scheinbare Welten
Der begehbare Kokon – nur von außen unscheinbar

Die Kiste möchte gern Rätsel aufgeben. Aussen hui, innen pfui? Hier ist es eher umgekehrt. Mehr verrate ich nicht 🙂

Die Fotos im Raum zeigen einige stark vergrößerte originale Schmetterlingspuppen (Kokons) – jede ein Unikat mit beeindruckenden und geradezu kunstvollen Details. Erst in diesen Makroaufnahmen wird ihre bizarre Schönheit sichtbar.

Der begehbare Kokon ist die Einladung zum eigenen Wandel. Die Metamorphose als Vorbild gehört darum ebenfalls in die Ausstellung Beispielhaft in den Vitrinen entdecken sind Gläser mit Überbleibseln echter Kokons zu finden. Diese unscheinbaren Gebilde waren einst der schützende Raum für eine atemberaubende Metamorphose. Nun sind sie leere Hüllen. Auch die wunderschönen Schmetterlinge, die aus ihnen schlüpften, sind höchstwahrscheinlich bereits zu Staub zerfallen. Generationen von ihnen sind inzwischen schon gekommen und gegangen.

Vitrine mit Naturfundstücken in der Ausstellung [UN]scheinbare Welten im Schlossmuseum Arolsen 2025
Die originalen Kokons sind in der Ausstellung ebenfalls zu entdecken

Einige dieser Fundstücke sind Vorlage für beeindruckende Macros. So beeindrucken die kleinsten fragilen Reste mit ihren komplexen Strukturen, die sich erst beim Heranzoomen enthüllen. Mein großer Dank für diese Foto Installation an den Fotografen Manfred Hohlweg.

Führung durch die Ausstellung [UN]scheinbare Welten im Schlossmuseum Arolsen 2025
Die Macroaufnahmen ergänzend zum begehbaren Kokon

Die mehrfachen Führungen durch die Ausstellung haben mir wie immer großen Spaß gemacht. Die Gespräche und der Austausch gehören zu meiner Arbeit dazu und bringen jedes Mal hoch willkommene weitere Inspirationen. Hoffentlich nicht nur für mich.

Vielen Dank für das große Interesse

Magdalena Hohlweg


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