April - finde heraus, was du wirklich willst

Ausschnitt aus einer Collage aus Blütenresten, die ein Vogelpaar darstellen.

Mut zur eigenen künstlerischen Stimme – gerade jetzt

Der April zeigt sich selten eindeutig – vielleicht ist er gerade deshalb der ehrlichste Monat des Jahres. Er tut wenigstens nicht so, als hätte er alles im Griff. Zwischen freundlichen, lichten Momenten und rauen, ungemütlichen Tagen entfaltet sich ein Wechselspiel, das unserer eigenen inneren Verfassung oft näher ist, als uns lieb ist.

Ohne Jacke hinaus

Auch ich bewege mich nicht geradlinig durch diese Zeit. Eher wie jemand, der im April ohne Jacke das Haus verlässt – und es fünf Minuten später bereut. Da ist Unsicherheit, Zweifel, das Gefühl begrenzter Möglichkeiten. Und zugleich eine leise Vorfreude, neue Ideen, eine Ahnung davon, dass sich etwas verändern könnte.

Die leisen Töne

Zum April passt für mich die ganze Palette der Pastelltöne. Farben, die leicht übersehen werden. Sie tragen bereits alles in sich, zeigen sich aber noch zurückgenommen, beinahe durchlässig – wie eine Andeutung dessen, was kommen kann, ohne es festzulegen.

Wetter von innen

Ich existiere nicht losgelöst vom Rhythmus der Natur. Mein inneres Erleben wirkt in diesen Wochen ähnlich unstet wie das Wetter. Es spiegelt sich darin, manchmal fast zu deutlich. Und doch liegt in diesem Auf und Ab eine eigene Energie: eine Aufbruchsstimmung, die noch keinen Namen hat, aber bereits spürbar ist.

Vielleicht ist genau das die Qualität dieses Monats – dass er nichts vorgibt.
Und dass er mich zwingt, selbst hinzusehen.

Das ist nicht besonders bequem.

Wenn nichts feststeht

Wenn nichts feststeht, bleibt wenig, woran man sich festhalten kann. Dann beginnt etwas anderes: ein genaueres Schauen, ein Innehalten, ein neues Sortieren.

Auch im Außen scheint gerade vieles in Bewegung. Gewissheiten bröckeln, Strukturen zeigen Risse, und selbst die Kunst wird durch bahnbrechende Technologien wie KI neu befragt. Vieles wirkt instabil, widersprüchlich, manchmal auch bedrohlich – ein wenig wie ein Apriltag, der sich nicht entscheiden kann, ob er freundlich oder stürmisch sein will.

Und doch liegt darin auch eine eigentümliche Klarheit.

Risse im Gewohnten

Was lange hinter glatten Oberflächen verborgen war, wird sichtbarer. Räume öffnen sich, die vorher verschlossen wirkten. Es ist nicht unbedingt einfacher geworden, aber durchlässiger. Und vielleicht auch ehrlicher.

Gerade in der künstlerischen Arbeit führt das fast zwangsläufig nach innen.

Der Blick nach innen

Ich merke, wie viele Kompromisse ich eingegangen bin. Wie oft ich mich angepasst habe, um dazuzugehören. Wie selbstverständlich ich mich kleiner gemacht habe, um nicht anzuecken.

Ich habe mich lange an Künstlern orientiert, die ihren Platz mit großer Durchsetzungskraft erobert haben. An Geschichten, in denen es fast selbstverständlich war, die eigene Arbeit über alles zu stellen. Erst mit Abstand sehe ich deutlicher, welchen Preis das oft hatte.

Nicht selten blieben andere im Hintergrund – häufig Frauen, die als „Musen“ bezeichnet wurden und damit in Rollen gerieten, die ihre eigene Arbeit unsichtbar machten. Was nach Nähe klang, war oft ein Ungleichgewicht.

Diese Bilder haben auch mich geprägt. Vielleicht habe ich deshalb so lange geglaubt, ich müsste mich anpassen.

Sichtbarkeit habe ich mit Bedeutung verwechselt.
Und Macht mit Qualität.

Nicht mehr hineinpassen

Heute wirkt das weniger eindeutig.

Ich beginne zu sehen, dass meine Arbeit nicht in vorgegebene Raster passen muss, um zu zählen. Dass das, was sich nicht einordnen lässt, nicht automatisch weniger wert ist – sondern vielleicht einfach nur einen anderen Raum braucht.

Gerade jetzt, wo vieles ins Wanken gerät, stellt sich diese Frage neu: Warum sollte ich mich weiterhin zurücknehmen, nur um irgendwo hineinzupassen?

Vielleicht geht es eher darum, eine andere Haltung einzunehmen.
Eine, die nicht auf Anpassung beruht, sondern auf Klarheit.

Empathie neu verstehen

Empathie spielt dabei eine größere Rolle, als ich lange wahr haben wollte. Nicht nur im Blick auf andere, sondern besonders auch mir selbst gegenüber. Je genauer ich meine eigenen Bedürfnisse wahrnehme, desto klarer wird auch mein Blick nach außen.

Das bedeutet nicht, alles gutzuheißen.
Aber es verändert die Perspektive.

Ich lerne, meine Grenzen deutlicher zu setzen und meinen eigenen Platz einzunehmen. Während sich bestehende Macht- und Missbrauchsstrukturen zunehmend selbst entlarven, wird mir klar, wie lange ich bestimmte Sichtweisen als selbstverständlich hingenommen habe.

Diese Erkenntnisse sind nicht immer angenehm.
Aber sie schaffen Klarheit.

Die eigene Stimme

Und aus dieser Klarheit entsteht langsam etwas, das ich lange zurückgehalten habe: meine eigene Stimme.

Sie wird nicht lauter, indem ich mich anpasse.
Sondern indem ich aufhöre, mich zu übersehen.

Gerade in der künstlerischen Arbeit zeigt sich das sehr deutlich. Eine eigene Sprache entsteht nicht durch Anpassung, sondern durch das Zulassen der eigenen Perspektive – mit all ihren Brüchen und Unsicherheiten.

Einfache Antworten wirken verlockend.
Sie greifen nur selten weit genug.

Vielschichtige Wirklichkeit

Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind vielschichtig. Sie betreffen nicht nur uns, sondern auch die Systeme, in denen wir leben – und die Beziehungen zur Natur, die uns trägt.

Vielleicht braucht es gerade deshalb mehr Differenzierung.
Und mehr Ehrlichkeit.

Ich habe mein Bemühen um Empathie lange mit Zurückhaltung verwechselt.
Heute sehe ich den Unterschied deutlicher.

Die eigene Perspektive

Auch meine eigene Perspektive hat sich verschoben. Als Frau habe ich versucht, mich an Maßstäbe anzupassen, die nicht für mich gemacht waren. Maßstäbe, die bestimmte Formen von Erfolg und Sichtbarkeit bevorzugen.

Dabei habe ich übersehen, dass meine eigene Sichtweise nicht weniger gültig ist – sondern einfach eine andere.

Inzwischen erkenne ich darin eine eigene Kraft.
Eine Erweiterung des Blicks.

Ein neuer Ausgangspunkt

Mehr und mehr nehme ich mir die Freiheit, meinen eigenen Ausgangspunkt zu setzen, anstatt auf Erlaubnis zu warten. Nicht als fertige Position, sondern als etwas, das sich entwickelt.

Was dabei hilft, ist keine perfekte Version von mir selbst.
Sondern eine möglichst ehrliche.

Künstlerische Arbeit entsteht nicht aus dem Versuch, Erwartungen zu erfüllen.
Sie wächst aus Erfahrung.

Was bleibt, wenn vieles möglich ist

Und dann ist da noch die Frage nach der Rolle von KI.

Sie kann Bilder erzeugen, Texte schreiben, Prozesse beschleunigen. Manchmal wirkt es, als könnte sie vieles erleichtern. Vielleicht sogar zu viel.

Doch das, was sich nicht delegieren lässt, bleibt bestehen: der innere Prozess. Das Suchen, das Zweifeln, das Wiederanfangen.

Die Entwicklung einer eigenen Haltung ist kein technisches Problem.
Sie braucht Zeit. Und Aufmerksamkeit.

Vielleicht liegt gerade darin eine Qualität dieser neuen Möglichkeiten: dass sie deutlicher sichtbar machen, was nicht automatisierbar ist.

Künstlerischer Ausdruck ist mehr als ein Ergebnis.
Er ist ein Weg.

Und vielleicht auch eine Form von Selbstermächtigung.

Den eigenen Platz einnehmen

Wenn ich auf diesen Monat blicke, bleibt weniger eine klare Antwort als eine Bewegung.
Ein neues Ausrichten.

Die Frage ist vielleicht nicht, was diese Zeit mir nimmt.
Sondern, was sie mir zeigt.

Und was ich bereit bin, daraus zu machen.

Am Ende bleibt etwas sehr Einfaches:
Ich kann beginnen, meinen eigenen Platz einzunehmen.

Nicht irgendwann, sondern jetzt.

Mitten in diesem wechselhaften, unentschiedenen, erstaunlich ehrlichen Monat.

Es ist Zeit für Kunst!

Mit den besten Wünschen

Magdalena

Hier geht es zu den weiteren Monatsnotizen:

Oktober: Zeit für Kunst

November – Die Kunst ist tot! Es lebe die Kunst!

Dezemberzauber

Januar – Stilles Leuchten

Februar – Vielfalt

März – Die Kunst des Hinschauens

Die Monatsimpulse sind mein Langzeitprojekt, das mit dem Jahreslauf wächst.

Die Liste meiner weiteren Projekte ist hier


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  • Federleicht und geheimnisvoll

    Eine Serie über Vogelfedern und ihre Geschichten Viele meiner Arbeiten zeigen vogelartige Wesen – Geschöpfe, die es so in der Wirklichkeit nicht gibt und die doch irgendwo zwischen Erinnerung, Beobachtung und Fantasie ihren Platz verlangen. Und dennoch beschleicht mich immer wieder der Gedanke, dass ich von der tatsächlichen Vielfalt der Vogelarten unseres Planeten noch weit…

Meine Gedanken finden sich in meinen Arbeiten wieder.

Handverlesene Werke

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